Braunschweig: Schulz-Hendel besucht Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

© Niklas Kemper

Am Freitag, den 18. September besuchte Detlev Schulz-Hendel gemeinsam mit einer Delegation der Braunschweiger Grünen das Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Geführt von Prof. Michael Ortgiese und Kathrin Karola Viergutz besichtigten sie das Gelände des DLR, von dessen deutschlandweit knapp 9000 Mitarbeiter*innen gut 1000 am Standort Braunschweig beschäftigt sind. Am Institut für Verkehrssystemtechnik werden Lösungen für eine sichere und effiziente Mobilität der Zukunft erarbeitet. Dabei fokussiert sich die Forschung auf die Themenfelder automatisiertes Fahren, Bahnsysteme, Verkehrsmanagement sowie Intermodalität und Öffentlicher Personennahverkehr. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung. Die Digitalisierung eröffnet die Möglichkeit für neue Mobilitätskonzepte, die sich am tatsächlichen Bedarf orientieren. Statt klassischer Linienbusse, die auf festen Linienwegen zwischen festen Haltestellen verkehren, können Nutzer*innen der sogenannten On-demand-Mobilität ihren Fahrtwunsch meist per App angeben und werden von ihrem Standpunkt abgeholt. Am Institut für Verkehrssystemtechnik werden die Wirkungen solcher Mobilitätskonzepte untersucht.Gemeinsam mit nationalen und internationalen Projektpartnern entwickeln, diskutieren und erproben die Forscherinnen und Forscher des Instituts Mobilitätskonzepte und Technologien der Mobilität der Zukunft. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Gestaltung integrierter Mobilitätskonzepte, die die Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsmittel ermöglichen. Dabei werden insbesondere die Anforderungen unterschiedlicher Nutzergruppen (beispielsweise Berufstätige Pendlerinnen und Pendler, mobilitätseingeschränkte Personen oder Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer) berücksichtigt.

Kathrin Karola Viergutz, Mobilitätsforscherin am Institut für Verkehrssystemtechnik:

„Bei der Konzeptionierung neuer Mobilitätskonzepte ist uns wichtig, dass diese flexibel und zuverlässig sind und von allen Personengruppen gleichermaßen genutzt werden können. Mithilfe von Verkehrssimulationen können wir mehrere Mobilitätskonzepte durchspielen und hinsichtlich bestimmter Parameter – beispielsweise Effizienz, Verkehrsfluss, Wirtschaftlichkeit, Warte- und Reisezeiten, Emissionen – optimieren. Diese theoretischen Überlegungen können wir dann im realen Leben ausprobieren, indem wir ein solches Mobilitätskonzept auf die Straße bringen.“ Aktuell erarbeitet die Wissenschaftlerin im Projekt DiMo-BS gemeinsam mit der Stadt Braunschweig, der BSVG und weiteren Projektpartnern ein bedarfsorientiertes Mobilitätskonzept, das die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger von Braunschweig auch in den Abendstunden verbessert.

Schulz-Hendel dazu:

„Die aktuellen Forschungsprojekte im DLR haben mich schon beeindruckt, zumal gerade auch für eine moderne Mobilität der Zukunft, Forschungsprojekte mit Lösungsansätzen unerlässlich sind. Gerade der Ansatz die heute noch vielbefahrenen neuralgischen Punkte in Innenstädten zu autoarmen bzw. autofreien Erlebniszonen umzugestalten, haben mich sehr überzeugt. Nicht zusätzliche Sonntagsöffnungen im Handel sind das Allheilmittel, sondern gerade Innenstädte zu Erlebniszonen umzugestalten, können den regionalen Handel aus der Krise holen und beleben.“

Die Forschung des Instituts für Verkehrssystemtechnik an automatisiert fahrenden Fahrzeugen gilt insbesondere der Entwicklung und Erforschung der Sensorik sowie der Vernetzung der Fahrzeuge miteinander und mit der Straße und Infrastruktur. Zudem werden Algorithmen und die Mensch-Maschine-Interaktion erforscht.Insgesamt waren sich die Teilnehmenden einig, dass die Mobilität der Zukunft intermodal und aus verschiedenen Verkehrsmitteln, die kombinierbar sein müssen, gedacht werden muss. Automatisiertes Fahren stellt dabei keinen reinen Selbstzweck dar, sondern ermöglicht neue Mobilitätskonzepte. Durch neue Technologien können bisherige Verkehrsmittel weitergedacht werden, um viele Probleme des Mobilitätssektors zu lösen. Entscheidend wird dabei sein, Synergien verschiedener intermodaler Ansätze zu schaffen.Im Anschluss an den Besuch trafen sich die Braunschweiger Grünen mit dem Landtagsabgeordneten noch zu einem verkehrspolitischen Austausch. Themen waren unter anderem die Weiterentwicklung des Radverkehres und hier insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, der Landes- sowie der Bundesebene. Detlev Schulz-Hendel machte sehr deutlich, dass der Gestaltungswille auf der Landesebene für eine deutlich verbesserte Radinfrastruktur eher mager ist. „Wir sind weit davon entfernt, dass Niedersachsen Fahrradland Nummer 1 wird. Dazu bedarf es deutlich mehr Landesmittel für den Ausbau der Radinfrastruktur. Wenn man bedenkt, dass ein Kilometer Radweg im Schnitt 300.000 Euro kostet und das Land hier 5 Millionen Euro jährlich bereitstellt, dann wird sehr deutlich wie lange wir benötigen um die Lücken zu schließen.“ 

Auch die Einführung eines Landesweiten Schülertickets sowie die kostenlose Schülerbeförderung für Alle war ein zentrales Thema. Der Regionalverband Braunschweig hat hier für die Region eigene regionale Angebote geschaffen. Helge Böttcher von den Braunschweiger Grünen:

„Wir sind hier mit den Tickets gut aufgestellt, aber wir erwarten recht zügig vom Land Niedersachsen eine landesweit einheitliche Lösung, das ist schließlich ein Versprechen der GroKo in Niedersachsen gewesen.“

Schulz-Hendel pflichtet den örtlichen Grünen bei:

„Es geht bei der kostenlosen Schülerbeförderung und der Einführung eines 365,00 € Ticket für Schüler*innen, Auszubildende und jungen Leuten in den freiwilligen sozialen Diensten um Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Bei allem Lob für die regionale Lösung hier im Regionalverband Braunschweig, brauchen wir eine landesweite Lösung und kein Flickenteppich in Niedersachsen. Es ist schon ein unwürdiges Trauerspiel, dass der Verkehrsminister unter dem Deckmantel der Corona Krise dieses sozial-ökologische Projekt auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben will.“

 Am Ende eines sehr spannenden Tages waren sich alle Beteiligten einig, den Austausch fortzusetzen.

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