Zugausfälle und Zugverspätungen Schulz-Hendel: Mehr Verlässlichkeit im Regionalbahnverkehr in Niedersachsen

Die Antwort auf eine Anfrage der Grünen zum Thema „Zugausfälle und Zugverspätungen im Regionalverkehr“ hat zu Tage gefördert, dass es auf zahlreichen Strecken zu einer Zunahme der ungeplanten Zugausfälle gekommen ist. Im Durchschnitt stieg diese Zahl im Jahr 2021 im Vergleich zum Jahr 2020 um das 2,8-fache an. Besonders beim Erixx im Heidekreuz und der Nordwestbahn im Weser-Ems-Netz sind etliche Züge ausgefallen (2021 jeder 17. Erixx im Heidekreis). Das entspricht einer Versechsfachung der ungeplanten Ausfälle im Vergleich zum Vorjahr auf den Strecken zwischen Hamburg und Hannover und zwischen Bremen und Uelzen. Personalmangel war dabei mit rund 68 Prozent die Hauptursache. Die Nordwestbahn im Weser-Ems-Netz kommt ebenfalls ihrem Auftrag in den letzten Jahren vor allem aufgrund eines anhaltenden Personalmangels nicht vollumfänglich nach. 2021 vervierfachte sich die Zahl der ungeplanten Zugausfälle bei der Nordwestbahn, nahezu jeder 20. Zug fiel auf der Strecke aus, fast die Hälfte (46 Prozent) auf Grund von Personalmangel. Defekte Fahrzeuge sorgten vor allem bei Metronom dem Hansenetz für Ausfälle, hier gibt es eine Verdoppelung der ungeplanten Zugausfälle in 2021 im Vergleich zum Vorjahr.

Dazu sagt Detlev Schulz-Hendel, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag Detlev Schulz-Hendel:

„Geplante und ungeplante Zugausfälle sowie -verspätungen sorgen weiterhin für Frust bei den Pendlerinnen und Pendlern im Regionalbahnverkehr in Niedersachsen. Natürlich lassen sich auch geplante Zugausfälle aufgrund von Bauarbeiten nicht immer vermeiden. Gleichwohl braucht ein funktionierender Nahverkehr deutlich mehr Abstimmung seitens des Verkehrsministeriums mit DB Netz bei notwendigen Bauarbeiten, um die negativen Auswirkungen für die Fahrgäste zu minimieren. Dreh- und Angelpunkt für Verbesserungen sind die Vergabekriterien von Strecken an die Eisenbahnverkehrsunternehmen. Nicht die Kosten, sondern die Qualitätsmindeststandards müssen Kern künftiger Ausschreibungen bilden.

Zugausfällen wegen Lokführer*innenmangels oder technischer Probleme muss besser vorgebeugt werden. Zur Entschärfung des Fachkräftemangels haben wir Grünen bereits vor über einem Jahr eine Ausbildungsoffensive für geflüchtete Menschen gefordert, die trotz positiver Prognose der Eisenbahnfachschulen vom niedersächsischen Verkehrsminister abgelehnt worden ist. 

Auf der anderen Seite muss über eine deutliche Verschärfung von Sanktionen bei Nichteinhaltung der zugesagten Verkehrsleistungen nachgedacht werden. Während der Bahnverkehr bei der Bentheimer Eisenbahn und bei der Westfalenbahn vorbildlich und zuverlässig läuft, setzen sich die Zugausfälle und Zugverspätungen bei der Nord West Bahn bereits über Jahre hinweg fort.

Wir erwarten hier Veränderungen und deutlichere Sanktionsmöglichkeiten, im Zweifel bis zur Kündigung, wenn dauerhaft schlechte Leistungen erbracht werden. Weitere negative Beispiele sind im Heidekreuz zu finden. Zwischen Buchholz und Soltau ist über viele Wochen hinweg nur jeder 2. Zug bzw. sind noch weniger Züge gefahren. Bis heute ist hier kein zuverlässiger Regionalbahnverkehr erkennbar. Das untermauert unsere Forderung, dass die Aufgabenträger bereits bei den Ausschreibungen solche Missstände verhindern müssten, anstatt Verfehlungen regelmäßig durch die Landesregierung erklären zu lassen. Besonders ernüchternd ist auch, dass die Landesregierung keinerlei Daten zu nicht erreichten Anschlüssen erhebt. Das führt dazu, dass Züge in der Statistik scheinbar pünktlich fahren - und zwar unabhängig davon, ob fahrplanmäßig versprochene Anschlusszüge erreicht werden.

Verkehrsminister Althusmann wäre gut beraten, hier einen Blick in die Schweiz zu werfen. Dort ist das wichtigste Qualitätskriterium, die Anschlusssicherung zu gewährleisten. Wir fordern den Verkehrsminister zudem auf, eine niedersachsenweite öffentliche digitale Plattform zu schaffen, die Fahrgäste möglichst in Echtzeit transparent informiert. Das ist ein Beitrag, um mehr Vertrauen zu schaffen und um zu verhindern, dass sich Fahrgäste frustriert von der Schiene abwenden und auf das Auto umsteigen.“

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